Pastellmalerei besticht durch ihre sanfte, fast magische Farbintensität und die einzigartige Textur, die zwischen Malerei und Zeichnung schwebt. Mit ihren cremigen Stiften oder Stäben ermöglicht sie direkte, ausdrucksstarke Striche und zarte Übergänge – ideal, um Stimmungen, Licht und Emotionen lebendig einzufangen. Und die Farben lassen sich mit den Fingern verwischen, schichten oder kratzen, was jedem Werk eine persönliche, fast haptische Note verleiht.
Die Pastellmalerei hat ihre Wurzeln im 15. und 16. Jahrhundert, als Künstler wie Leonardo da Vinci und Michelangelo Kreide- und Farbstifte nutzten, um Skizzen und Vorbereitungszeichnungen anzufertigen. Doch erst im 18. Jahrhundert entwickelte sie sich zu einer eigenständigen Kunstform, besonders in Frankreich und Italien. Später machten Künstler wie Rosalba Carriera und Edgar Degas Pastell durch ihre meisterhaften Porträts und impressionistischen Werke populär.

Edgar Degas: Sich verbeugende Tänzerinnen (1885), Pastell
Bild: Edgar Degas, Public domain, via Wikimedia Commons
Im 19. Jahrhundert erlebte die Pastellmalerei eine Blütezeit, als sie von den Impressionisten und Symbolisten als vollwertiges Medium anerkannt wurde. Ihre weichen, leuchtenden Farben eigneten sich ideal, um flüchtige Lichteffekte und atmosphärische Stimmungen einzufangen. Im 20. Jahrhundert experimentierten Künstler wie Pablo Picasso und Odilon Redon mit Pastell, um abstrakte und expressive Formen zu schaffen.
Heute ist Pastellmalerei auch als beliebtes Hobby verbreitet. Moderne Pastellkreiden bieten eine enorme Farbvielfalt und Haltbarkeit, während Techniken wie das Lasieren oder das Arbeiten mit Lösungsmitteln neue gestalterische Möglichkeiten eröffnen. Die Verbindung aus Tradition und Innovation macht Pastell zu einem zeitlosen und vielseitigen Medium.
Wie funktioniert die Pastellmalerei?
Pastellmalerei funktioniert durch das Auftragen von Pastellkreiden (weiche, pigmentreiche Stifte oder Stäbe) auf raues Papier oder speziell präparierte Untergründe. Die Kreiden bestehen aus reinem Farbpigment, das mit einem Bindemittel (meist Gummi arabicum oder Tragant) verbunden ist. Durch ihre weiche Konsistenz lassen sie sich direkt auf das Papier auftragen, verwischen oder schichten.
Der Untergrund spielt eine entscheidende Rolle: raues Pastellpapier (z. B. mit einer Körnung von 200–400 g/m²) hält die Pigmente besser fest und ermöglicht mehr Schichten. Künstler arbeiten oft mit der Seitenkante der Kreide für breite, flächige Striche oder mit der Spitze für feine Details. Durch Verwischen mit den Fingern, einem Verwischwerkzeug oder einem Pinsel entstehen sanfte Übergänge.

Malen mit Ölpastell
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Pastellbilder werden nicht mit Wasser oder Lösungsmitteln fixiert, sondern durch Fixierspray vor dem Verwischen geschützt. Allerdings kann zu viel Fixiermittel die Leuchtkraft der Farben mindern. Eine besondere Technik ist das Lasieren: Schichten von transparenten Farbschichten, um Tiefe und Intensität zu erzeugen.
Was brauchst du nun dafür?
Für den Einstieg in die Pastellmalerei brauchst du Pastellkreiden – entweder als Stifte oder Stäbe. Ein kleines Set mit 12 bis 24 Farben kostet zwischen 10 und 30 €. Hochwertige Künstler-Pastelle liegen bei 50–100 € für ein Set mit 50 bis 100 Farben.
Als Untergrund eignet sich speziales Pastellpapier mit rauer Oberfläche. Ein Block (20-30 Blätter) kostet etwa 10 bis 25 €. Alternativ kannst du auch Pastellkarton oder sogar spezielles Sandpapier verwenden, das noch mehr Pigmente aufnimmt.
Zusätzlich sind hilfreich: ein Fixierspray (ca. 10 bis 15 €), um die Zeichnung zu schützen, ein Verwischwerkzeug (Estompe, ca. 5 bis 10 €) und ein Skizzenbleistift für Vorzeichnungen. Ein Pinsel zum Entfernen von Farbresten oder für besondere Effekte kostet ab 5 €.
Für den Anfang reichen also schon 50 bis 100 €, um mit guter Qualität zu starten. Wenn du später professioneller arbeiten möchtest, kannst du dann auch in hochwertigere Kreiden und Papiere investieren.

Pastellkreide in verschiedenen Varianten
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Gibt es Vereine?
In Deutschland gibt es die Deutsche Pastell Gesellschaft (DPG), die sich speziell der Pastellmalerei widmet. Sie fördert den Austausch unter Künstlern, organisiert Ausstellungen und bietet eine Plattform für alle, die sich für diese Technik begeistern. Zudem ist die DPG mit internationalen Netzwerken wie der Pastel Guild of Europe (PGE) vernetzt.
Auch viele lokale Kunstvereine bieten Arbeitsgruppen, Workshops oder Ausstellungen zur Pastellmalerei an. Diese Vereine sind meist offen für alle Kunstinteressierten – von Anfängern bis zu Fortgeschrittenen.
Um einen passenden Kunstverein in deiner Nähe zu finden, lohnt es sich, bei lokalen Volkshochschulen, Kulturzentren oder Stadtverwaltungen nachzufragen. Viele Vereine haben auch eigene Websites.
Ist dieses Hobby für dich geeignet?
Pastellmalerei eignet sich für dich, wenn du Freude an farbenfrohen, ausdrucksstarken Werken hast. Die Technik erlaubt dir, schnell und direkt Stimmungen, Licht und Texturen einzufangen – ideal, wenn du spontan und intuitiv arbeiten möchtest.
Ein weiterer Vorteil: Du brauchst keine aufwendige Vorbereitung oder Technik. Im Gegensatz zur Öl- oder Acrylmalerei sind keine Pinsel, Wasser oder Lösungsmittel nötig. Das macht Pastell perfekt für zu Hause oder unterwegs.
Allerdings solltest du bedenken, dass Pastell staubt und etwas unordentlich sein kann. Ein gut belüfteter Arbeitsplatz und eine Schutzunterlage für den Tisch sind sinnvoll. Falls du Allergien gegen Staub hast, könnte das ein Ausschlusskriterium sein.
Pastellmalerei ist auch dann ideal, wenn du Geduld für das Schichten und Verwischen von Farben mitbringst. Die Technik belohnt Experimentierfreude, von zarten Skizzen bis zu kräftigen, lebendigen Bildern. Wenn du diese Aspekte magst, wirst du mit Pastell viel Freude haben!
Und wie weiter?
Pastellmalerei lernst du am besten durch Workshops und Kurse – viele Volkshochschulen, Kunstschulen oder lokale Ateliers bieten Einsteiger- und Fortgeschrittenenkurse an. Auch Online-Plattformen wie YouTube haben Tutorials von erfahrenen Künstlern, oft sogar kostenlos.
Pastellmaler Andreas Stolz gibt dir auf pastellNatur Tipps für Anfänger. Mal-einfach-mit und artistravel bieten etliche Tutorials zum Thema Pastell. Auch Gerstaecker bietet dir Anleitung. Auf Bettags Malschule findest du ein 64-seitiges Magazin über Pastellmalerei zum Download.
In Büchern findest du fundiertes Wissen. Auch Kunstvereine oder lokale Malgruppen organisieren oft Treffen und Ausstellungen. Fachgeschäfte für Künstlerbedarf beraten dich nicht nur beim Materialkauf, sondern haben oft auch Kontakte zu Kursen oder Künstlern in deiner Region.
Du bist dir noch nicht sicher, ob Pastellmalerei die passende Technik für dich ist? Dann findest du sicherlich das Richtige unter meiner Übersicht über das Malen. Viel Erfolg!

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