Kartenspielen ist mehr als nur Zeitvertreib – es ist Spannung, Taktik und oft auch eine gute Portion Glück. Ob beim gemütlichen Abend mit Freunden, bei einem Turnier oder als schnelles Spiel zwischendurch: Karten haben die einzigartige Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen. Jede Runde ist anders, mal lacht man über verrückte Züge, mal raucht der Kopf vor Strategie. Wer einmal angefangen hat, will so schnell nicht mehr aufhören.
Die Ursprünge des Kartenspiels liegen weit zurück. Schon im 9. Jahrhundert wurden in China erste Spielkarten erwähnt. Von dort aus verbreiteten sie sich nach Indien, Persien und schließlich nach Europa, wo sie im 14. Jahrhundert auftauchten. Damals waren Karten noch handgemalt und ein Luxusgut, das sich nur wohlhabende Leute leisten konnten.
Mit der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert änderte sich das schlagartig. Karten konnten nun massenhaft produziert werden und wurden schnell in allen Gesellschaftsschichten beliebt. Über die Jahrhunderte entwickelten sich die verschiedenen Farben, Symbole und Spielarten, die wir heute kennen – vom klassischen Skat bis zum Poker.
Heute ist Kartenspielen ebenso wie Brettspiele weltweit verbreitet und hat unzählige Varianten. Neben traditionellen Spielen am Tisch gibt es auch digitale Versionen, die man alleine oder online mit anderen spielen kann. Das Grundprinzip ist aber gleich geblieben: ein einfaches Spiel mit großem Spaßfaktor, das Menschen über Generationen hinweg verbindet.

Karten gespielt wird auch in Hà Giang, Vietnam
Kleiner Ausflug in die bunte Welt der Kartenspiele
Blackjack oder „Ventiuna“ wurde in Spanien im 16. Jahrhundert gespielt. Zwei oder mehr Spieler versuchen, mit ihren Karten möglichst genau 21 Punkte zu erreichen, ohne darüber zu gehen – Glücksspiel mit purem Nervenkitzel.
Bridge entwickelte sich im 19. Jahrhundert aus dem Whist und wurde vor allem in England und den USA populär. Gespielt wird zu viert in zwei Teams. Es ist ein anspruchsvolles Stich- und Bietspiel, bei dem Taktik, Teamwork und Nervenstärke zählen.
Canasta kam in den 1940er Jahren aus Uruguay nach Lateinamerika und fand bald weltweit Fans. Zwei bis sechs Spieler versuchen, durch sogenannte Melds Punkte zu machen – es ist ein typisches Rummy-Spiel voller Taktik und Teamarbeit.
Conquian ist ein mexikanisches Spiel aus dem 19. Jahrhundert, ideal für zwei Personen. Es nutzt ein 40-Karten-Deck und gilt als Vorläufer moderner Rummy-Varianten – einfach, fix und gesellig.
Doppelkopf stammt aus Norddeutschland und ist ein typisches Vier-Personen-Stichspiel, das eng mit dem Skat verwandt ist. Zwei Teams bilden sich spontan während des Spiels, was oft für Überraschungen sorgt.
Durak ist das russische Nationalkartenspiel und wird mit zwei bis sechs Spielern gespielt. Es ist ein Auslegespiel, bei dem es darum geht, am Ende nicht als „Durak“ (Narr) übrigzubleiben.
Euchre stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert – vermutlich aus dem Elsass – und wird meist von vier Leuten gespielt, die im Team gegeneinander antreten. Es ist ein klassisches Stichspiel, bei dem ausgefeilte Trumpfregeln und Gedächtnis gefragt sind.
Karnöffel, eines der ältesten europäischen Kartenspiele überhaupt, stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert aus Süddeutschland. Gespielt wurde es von vier Leuten – als ungewöhnliches Stichspiel mit speziellen Trümpfen und Kartenwerten, fast wie eine frühe Form von Tarottrumpfstruktur.
Mau-Mau ist ein einfaches Auslegespiel mit deutschem oder französischem Blatt. Zwei bis fünf Spieler legen passende Karten auf den Ablagestapel. Die Herkunft ist nicht ganz klar, vermutlich entstand es Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland.
Ombre, ursprünglich um das Ende des 16. Jahrhunderts in Spanien erfunden, kam als Dreipersonen-Trickspiel auf. Mit spanischem Kartenblatt verbreitete es sich rasch in Europa und legte damit den Grundstein für spätere Spiele wie Euchre oder Solo-Varianten.
Patience (auch Solitaire) kam im 18. Jahrhundert in Skandinavien auf und wird alleine gespielt. Es ist ein Anlagespiel, bei dem man Karten in bestimmter Reihenfolge sortiert. Heute wohl am bekanntesten durch die digitale Variante am Computer.
Phase 10 kam in den 1980ern in den USA auf. Zwei bis sechs Spieler müssen bestimmte Karten-Kombinationen erfüllen, ähnlich wie bei Rommé, aber mit klaren Etappenzielen.
Poker hat seine Wurzeln im frühen 19. Jahrhundert in den USA, wahrscheinlich aus französischen Vorläufern wie Poque. Zwei bis zehn Spieler treten an, mit Einsatzrunden, Bluff und Strategie. Es ist ein Augenspiel, bei dem das Pokerface genauso wichtig ist wie die Karten.
Primero entstand im Italien des 16. Jahrhunderts, war ein Glücksspiel für zwei bis sechs Personen und lässt sich eher in die Matching- bzw. Poker-Vorfahren einordnen – Strategie, Bluff und ein bisschen Glück hielten die Spannung hoch.
Rommé ist ein Nachfolger von Conquian und stammt aus Mexiko bzw. den USA um 1900. Zwei bis sechs Spieler sammeln Sätze und Straßen. Es ist ein Anlagespiel, bei dem Glück und cleveres Planen Hand in Hand gehen.
Rummy selbst ist ein Match- und Sets-Spiel, das wohl entweder aus China oder Mexiko stammt. Zwei bis sechs Leute sammeln Reihen oder gleiche Karten, eine Mischung aus Glück und Planung – und heute eines der beliebtesten Familienspiele überhaupt.
Skat entstand Anfang des 19. Jahrhunderts in Altenburg (Thüringen) und ist heute DAS deutsche Kartenspiel schlechthin. Drei Spieler treten gegeneinander an, einer spielt allein gegen die beiden anderen. Es ist ein komplexes Stichspiel mit Reizen, Ansagen und viel Strategie.
Tarok (oder Tarock) hat seine Wurzeln im 15. Jahrhundert in Italien und entwickelt sich später vor allem in Mitteleuropa weiter. Meist mit drei oder vier Leuten, ist es ein tiefgründiges Stichspiel mit Tarot-Deck und komplexem Bietsystem – besonders beliebt in Österreich und Bayern.
Tarot (französisches Tarot, nicht Wahrsagen!) ist ein klassisches Stichspiel mit speziellem Deck aus Frankreich, beliebt seit dem 17. Jahrhundert. Vier Spieler spielen mit 78 Karten, Trumpffarben und speziellen Regeln.
Tressette kommt aus Italien und datiert etwa auf das frühe 18. Jahrhundert. Mit 40 Karten wird es von zwei bis vier Spielern als klassisches Stichspiel gespielt, vor allem dort beliebt, wo italienische Spieltraditionen gelebt werden.
UNO ist die moderne, bunte Variante von Mau-Mau und wurde 1971 in den USA erfunden. Zwei bis zehn Spieler legen Karten gleicher Farbe oder Zahl ab, mit Extrakarten für Chaos und Spaß.
Whist ist ein englisches Trickspiel mit Wurzeln vermutlich im 16. Jahrhundert. Vier Spieler, zwei Teams, kämpfen um die meisten Stiche – einfach zu lernen, aber doch raffiniert genug für eine gute Partie.

Solitaire spielen auf einem Laptop
Generiert auf Ideogram.AI
Abschließend noch ein Tipp: Die beste und umfangreichste Übersicht aller Kartenspiele liefert Pagat.com. Da findest du Regeln zu Hunderten von Kartenspielen aus aller Welt – traditionelle Klassiker, kommerzielle Spiele und sogar neuere Kreationen. Der Gründer John McLeod sammelt Varianten und Spielregeln, wie sie wirklich gespielt werden. Ein deutscher Spiele-Experte hat die Seite mal als „die wichtigste im Netz“ bezeichnet, wenn’s um Kartenspiele geht.
Lust auf Spielen im Verein?
Der Deutsche Skatverband e.V. (DSkV) ist der größte und bekannteste. Gegründet wurde er am 12. März 1899 (damals in Halle) und sitzt seit ein paar Jahrzehnten wieder in Altenburg. Er vertritt über 1.600 Vereine und rund 15.000 Mitglieder. Der Verband organisiert Turniere, Meisterschaften, Ligabetrieb und wacht über die Regeln – sogar das Skatgericht sitzt in Altenburg, um Streits beizulegen.
Dann haben wir den Deutschen Doppelkopf-Verband e.V. (DDV). Der fing 1982 seine Arbeit in Braunschweig an und ist der offizielle Dachverband für alle Doppelkopf-Vereine in Deutschland. Mittlerweile zählt man etwa 69 Vereine und rund 1.000 Mitglieder.
Ein weiterer, eher breiterer Verein ist der Ali Baba Spieleclub e.V. in Nürnberg. Der widmet sich nicht nur Kartenspielen, sondern auch Brettspielen. Mit mehr als 1.000 Mitgliedern in elf Regionalverbänden gilt er als einer der größten Vereine für Spielekultur – also auch für Kartenspiele – in Deutschland.
Und nicht zu vergessen: Für Online-Skatfans gibt es den Deutschen Online Skatverband e.V. (DOSKV). Er kümmert sich um Wettbewerbe im Netz, organisiert Deutsche Meisterschaften, Weltmeisterschaften sowie Online-Ligen – alles basierend auf einer speziellen Online-Skatordnung.
Ist Kartenspielen etwas für dich?
Kartenspielen passt perfekt zu dir, wenn du gerne in Gesellschaft bist und Spaß daran hast, dich mit anderen zu messen oder einfach gemeinsam eine gute Zeit zu haben. Es eignet sich auch, wenn du Freude an Taktik, Logik und manchmal ein bisschen Bluff hast.
Du brauchst keine große Ausrüstung – ein Kartendeck reicht völlig. Ob gemütlich daheim mit Freunden, im Verein, online oder auf Turnieren: es gibt für jede Stimmung die passende Variante. Wenn du Geduld mitbringst und dir gern neue Regeln aneignest, findest du leicht ein Spiel, das zu dir passt.
Kurz gesagt: Wenn du Unterhaltung suchst, gern lachst, knobelst oder auch ab und zu auch verlieren kannst, ohne gleich schlechte Laune zu kriegen, dann ist Kartenspielen genau das richtige Hobby für dich.
Noch mehr Infos?
Es gibt gefühlt unendlich viele Seiten im Netz wie beispielsweise Karten-Spiele-Spielen. Und oft, wie auch dort in Hannover, erfährst du hier ebenso, wo du an regelmäßigen Spielrunden teilnehmen kannst. Aber vielleicht findest du in deinem Umfeld Leute, die sich gern zum Kartenspielen treffen, egal ob Skat, Doppelkopf, Canasta oder sogar weniger bekannte Spiele. Viel Spaß dabei!

Deine Meinung zum Hobby