Klootschießen

Hau wech die Kugel!
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Klootschießen

Hau wech die Kugel!

Klootschießen ist ein traditioneller friesischer Volkssport, bei dem eine kleinere Kugel mit möglichst viel Schwung und Weite über eine Wiese geworfen wird. Dabei kommt es auf Kraft, Technik und Geschicklichkeit an. Das Faszinierende an diesem Hobby ist die Mischung aus sportlicher Herausforderung, Bewegung an der frischen Luft und geselligem Miteinander. 

Klootschießen hat seine Wurzeln in der friesischen Küstenregion und gehört zu den ältesten überlieferten Volkssportarten Norddeutschlands. Vermutlich entwickelte es sich aus dem Werfen von Kugeln oder Steinen, das früher auch zur Freizeitbeschäftigung und zum Kräftemessen diente. Über Generationen wurde daraus ein fester Bestandteil der friesischen Sport- und Vereinskultur.

Der erste schriftliche Nachweis von Spielen mit einer Klootkugel in den Niederlanden soll aus dem Jahr 1390 stammen. In Deutschland findet sich die älteste Urkunde im Landgerichtsbuch des Archivs von Aurich aus dem Jahr 1510. Beim Klootschießen in Emden soll ein unachtsamer Spieler dem Wirt Seeben die Klootkugel an den Kopf geworfen haben. Autsch!

Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts entstanden Vereine und feste Wettkampfregeln. Am 25. Mai 1902 wurde dann der Friesische Klootschießer-Verband e.V. (FKV) gegründet, der den Sport bis heute organisiert und den Erhalt dieser friesischer Traditionen fördert. Er vertritt aktuell rund 30.000 Mitglieder in mehr als 240 Vereinen!

Auch heute wird Klootschießen vor allem in Norddeutschland betrieben. Auf Wiesen versuchen die Sportler, eine spezielle Kugel mit möglichst großer Weite zu werfen. Dabei verbindet sich sportlicher Ehrgeiz, körperliche Leistung und technische Präzision mit regionaler Heimatpflege und Gemeinschaft.

Klootschießen international

Auch in anderen Ländern gibt es traditionelle Wurfsportarten, die dem Klootschießen ähneln. Gemeinsam ist ihnen, dass eine Kugel mit möglichst viel Kraft und der richtigen Technik möglichst weit geworfen wird. Allerdings unterscheiden sich die Regeln, die Kugeln und die Ausführung der Würfe teilweise deutlich.

Beispiel Niederlande: Das Klootschieten ist besonders in der Region Twente verbreitet. Es gibt wie in Ostfriesland verschiedene Disziplinen, darunter das Weitwerfen auf freiem Gelände.

Beim Irish Road Bowling in Irland werfen die Teilnehmer eine schwere Metallkugel über eine festgelegte Strecke auf Landstraßen. Ziel ist es, die Strecke mit möglichst wenigen Würfen zurückzulegen. Das ähnelt aber eher dem Boßeln. Genauso wie das Boccia su Strada in Italien eine Variante des Straßenkugelwerfens ist.

Besonders interessant: Deutschland, die Niederlande, Irland und Italien pflegen internationale Kontakte und veranstalten gemeinsame Meisterschaften in verwandten Wurfdisziplinen. Das Klootschießen ist also Teil einer größeren europäischen Tradition des Kugelwerfens.

Die Regeln

Beim Klootschießen unterscheidet man zwei Varianten: Feldkampf und Standkampf. Der wichtigste Unterschied liegt darin, ob Mannschaften eine Strecke gemeinsam gegeneinander bestreiten oder einzelne Würfe auf ihre Weite verglichen werden. Auch die Wertung des Kugelwurfs ist unterschiedlich. Grundlage dafür sind die Wettkampfbestimmungen des Friesischen Klootschießer-Verbands e.V. (FKV).

Feldkampf: Hier treten zwei Mannschaften gegeneinander an und werfen die Klootkugel abwechselnd über eine längere Strecke quer über Wiesen und Felder. Der Feldkampf findet traditionell möglichst bei gefrorenem Boden statt. Entscheidend ist die Gesamtweite einschließlich des sogenannten Trülls, also des Ausrollens der Kugel nach dem Aufprall. Der Feldkampf wird häufig als traditionsreicher Vergleich zwischen Ostfriesland und Oldenburg ausgetragen.

Standkampf: Hier steht die einzelne Wurfleistung im Mittelpunkt. Die Teilnehmer werfen von einer festgelegten Abwurflinie auf einer geeigneten Wiese oder einem Sportplatz. Es zählt nur die Flugweite der Kugel; das anschließende Ausrollen wird nicht berücksichtigt. Bei den FKV-Einzelmeisterschaften hat jeder Teilnehmer vier Würfe, von denen der weiteste gewertet wird.

Was brauchst du dafür?

Für das Klootschießen brauchst du zunächst nur wenig Ausrüstung. Am besten lernst du den Sport bei einem Klootschießerverein kennen, denn dort kannst du die spezielle Wurftechnik ausprobieren und erfährst, welche Kugeln für Feldkampf und Standkampf verwendet werden.

Die Klootkugel ist das wichtigste Sportgerät. Sie besteht je nach Ausführung aus unterschiedlichen Materialien und muss zu den jeweiligen Wettkampfregeln passen. Für erste Versuche kannst du häufig eine Kugel vom Verein benutzen, sodass du nicht sofort eine eigene kaufen musst. Eine eigene Klootkugel kostet je nach Material und Ausführung ungefähr 25 bis 50 €.

Mein Tipp: Frage vor dem Kauf bei einem Klootschießerverein nach dem passenden Modell. So vermeidest du, eine Kugel zu kaufen, die für deine Disziplin nicht geeignet ist.

Kleidung und Schuhe: Normale, wetterfeste Sportkleidung und feste Laufschuhe reichen für den Anfang aus. Spezielle Sportkleidung ist nicht vorgeschrieben. Ein passender und wetterfester Trainingsanzug ist optional.

Was kostet das Hobby? Die Kosten sind überschaubar. Der Klootschießer- und Boßelverein Esenshamm nennt beispielsweise einen Jahresbeitrag von unter 25 Euro. Die Beiträge unterscheiden sich je nach Verein; für Familien gibt es teilweise Vergünstigungen.

Wie findest du einen Verein?

Der Friesische Klootschießer-Verband e.V. (FKV) besteht aus zwei Landesverbänden. Auf der Website des Landesklootschießerverbands Ostfriesland e.V. ist eine Übersicht der Verbandsstruktur des FKV zu finden. Von hier aus kannst du dich über Links zu den Kreisverbänden und weiter zu den Vereinen durchklicken. Auch auf der Website des Klootschießerlandesverbands Oldenburg e.V. funktioniert es ähnlich, aber hier leider auch etwas mühsamer.

Ist Klootschießen etwas für dich?

Falls du in Norddeutschland wohnst, dann ist Klootschießen ein geeignetes Hobby für dich, wenn du gerne draußen aktiv bist und Freude daran hast, deine Kraft, Technik und Koordination zu verbessern. Du brauchst keine besondere sportliche Vorerfahrung, solltest aber bereit sein, die spezielle Wurftechnik zu erlernen.

Du solltest außerdem gerne in einer Gemeinschaft trainieren und dich mit anderen messen wollen. Da Klootschießen überwiegend auf Wiesen und Feldern stattfindet, sind Wetterfestigkeit und Freude an der Natur von Vorteil.

Wenn du einen traditionellen Sport kennenlernen möchtest, der Bewegung, Geschicklichkeit und Geselligkeit verbindet, könnte Klootschießen genau das Richtige für dich sein.

Fazit

Klootschießen ist ein traditionsreicher Sport, der Kraft, Technik und Naturerlebnis verbindet. Wenn du lieber eine Kugel über Straßen rollst, findest du im verwandten Boßeln eine interessante Alternative. Mehr zum Thema Klootschießen und Boßeln als Wettkampfsport findest du auf der Website Friesensport.

Beide Sportarten gehören zur traditionellen friesischen Kugelsportkultur und werden beide auch vom Friesischen Klootschießer-Verband e.V. (FKV) vertreten. Auf dessen Website findest du auch viele Informationen zu beiden Sportarten.

 

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