Rollschuhlaufen hat so seinen ganz eigenen Charme. Diese klassischen Vier-Rad-Dinger fühlen sich nach Freiheit an, nach Kindheit, nach Retro. Der Mix aus Retro-Gefühl, Bewegung und diesem leichten Schweben macht total Spaß. In Deutschland siehst du Rollschuhe zwar nicht an jeder Ecke, aber die Szene lebt noch, gerade in Parks, bei Retro-Events und in kleinen Communitys.
Alles fing irgendwann im 18. Jahrhundert an, als ein Belgier namens John Joseph Merlin eine ziemlich verrückte Idee hatte: Er montierte sich Rollen unter seine Schuhe, um den Schlittschuhlauf auf Parkett oder Bühne nachzuahmen. Bei einem Maskenfest spielte er rollschuhlaufend Geige und krachte dann, weil weder Bremsen noch Lenken möglich war, in eine Spiegelwand und verletzte sich schwer. Trotzdem – die Idee war geboren!
Erst als sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Konstruktion von Rollschuhen verbesserte, gewann das Rollschuhlaufen allmählich an Popularität. In den 1870er Jahren begann die erste Blütezeit der Rollschuhe und der Rollschuhbahnen in Deutschland. Vor allem Fabrikanten, die bereits zuvor Schlittschuhe produziert hatten, nahmen damals Rollschuhe in ihre Produktpalette mit auf.

The Graphic, London, 21. April 1877: Maskenball auf Rollschuhen
Artist`s initials "WR" William Ralston, Public domain, via Wikimedia Commons
In den 1970ern erlebte das Rollschuhlaufen dann ein starkes Comeback. Ende der 1970er und Anfang der 1980er waren Rollschuhbahnen und Rollerdiscos extrem populär. Filme wie Roller Boogie (1979) und Xanadu (1980) spiegelten diesen Trend wider und kombinierten ihn mit Musik, Tanz und jugendlicher Romantik.
Die Erfindung der Inline-Skates in den 1980er Jahren führte zu einer neuen Ära des Rollensports. Inline-Skates boten durch ihre schmalere Konstruktion mehr Geschwindigkeit und Wendigkeit und fanden besonders in den 1990er Jahren weltweit Anhänger. Gleichzeitig blieb das klassische Rollschuhlaufen mit den charakteristischen vier Rollen im Retro-Stil bestehen.

Eine Roller-Disco mit Disco-Kugel sowie bunten Lichtern und Farben.
Foto: Pixabay
Heute ist Rollschuhlaufen mehr als nur ein Freizeitspaß. Es wird als Sportart, Tanzstil und Lifestyle ausgelebt. In der urbanen Szene, bei Musikvideos und durch Social-Media-Plattformen hat es eine neue Generation inspiriert, auf Rollen aktiv zu werden. Es erfreut sich in letzter Zeit auch wieder wachsender Beliebtheit, weil es gleichzeitig auf YouTube eine zunehmende Anzahl von Videos darüber gibt.
Was brauchst du nun zum Rollschuhlaufen?
Klar, Rollschuhe natürlich. Gute Freizeit-Rollschuhe bekommst du schon ab ca. 60 €. Je nach Ausführung und Marke gehen die Preise dann hoch bis etwa 150 €.
Unbedingt zu empfehlen ist eine Schutzausrüstung. Beispielsweise kostet ein Triple-Protect-Set (Knie, Ellbogen, Handgelenk) so um die 30 €. Ein günstiger Skate-Helm fängt bei unter 25 € an, für gute Helme musst du dann schon bis zu 80 € einplanen.
Kurz gesagt: Mit einem Budget von etwa 120 € bist du für den Einstieg inklusive Schutzausrüstung gut ausgestattet. Wenn du mehr Wert auf Profi-Qualität legst, musst du natürlich mit höheren Preisen rechnen.
Lust auf Verein?
In Deutschland gibt es zahlreiche Rollschuh- und Rollsportvereine, die sich dem klassischen Rollschuhlaufen und Rollkunstlauf widmen. Der Deutsche Rollsport- und Inline-Verband (DRIV) organisiert den Rollkunstlauf bundesweit. Unter seinem Dach existieren 17 Landesfachverbände, die jeweils regionale Vereine betreuen.
Diese Vereine bieten Training, Wettkämpfe und natürlich auch Freizeitangebote an – ähnlich wie beim Eiskunstlauf, nur eben auf vier Rollen. Da findest du bestimmt auch einen Verein in deiner Nähe.
Neben klassischen Vereinen gibt es auch Rollschuhbahnen und Sportclubs, die offene Zeiten für Hobbyläufer anbieten. Ein Beispiel ist die Rollschuhbahn des Shape Sportclubs, wo man stundenweise Rollschuhe leihen und laufen kann.

Rollschuhbahn am Rockefeller Center in Manhatten, New York City
Foto von Ashley Levinson auf Unsplash
Gibt es eigentlich rechtlich etwas zu beachten?
Ja, denn du wirst rechtlich als Fußgänger eingestuft. Das bedeutet, dass du grundsätzlich Gehwege, Fußgängerzonen oder ausgewiesene Flächen nutzen musst und nicht auf der Straße fahren darfst. Und eins ist dabei klar: Rücksicht kommt gut an!
Bei Unfällen haftest du wie ein Fußgänger – also für Schäden, die du verursachst. Aber eine private Haftpflichtversicherung deckt in der Regel auch Schäden durch Rollschuhlaufen ab, aber frage sicherheitshalber nach.
Ist Rollschuhlaufen für dich geeignet?
Rollschuhlaufen ist ein geeignetes Hobby für dich, wenn du Freude an Bewegung und Rhythmus hast, deine Balance und Koordination trainieren möchtest und ein spielerisches Freiheitsgefühl suchst. Es passt besonders, wenn du ein Hobby willst, das allein als auch in Gemeinschaft funktioniert, körperlich fordernd ist, aber nicht übermäßig belastet, und dir zugleich einen nostalgischen wie kulturellen Reiz bietet.
Du suchst noch mehr Infos?
In Blogs wie Titatonia berichten Rollschuhläufer von ihren Erfahrungen. Auf SCOOTWORLD findest du eine gute Anleitung für den perfekten Start. Und jede Menge YouTube-Videos geben Anfängertipps, Tutorials und Inspiration für den Einstieg in dein neues Lieblingshobby.
Interessieren dich sportmedizinische Aspekte des Rollschuhlaufens? Da gibt es einen interessanten Artikel darüber auf der DEUTSCHEN TIMES. Auch gab’s von 2021 und 2023 die Zeitschrift Das Rollschuh-Magazin. Wurde leider eingestellt, die einzelnen Ausgaben sind aber noch online im Shop nachbestellbar.
Aber dieses gemütliche, fast meditative Dahinrollen ist dir doch etwas zu langweilig und du stehst mehr auf Geschwindigkeit? Dann ist vielleicht Roller Derby was für dich. Oder doch gleich das schnellere und wendigere Inlineskaten. In diesem Sinn: Keep on rolling!

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