Airbrush

Malen mit einem Pinsel aus Luft
Lesen

Airbrush

Malen mit einem Pinsel aus Luft

Airbrush ist ein bisschen Zauberei mit Luft und Farbe. Statt Pinsel steuerst du feine Nebel, Schattierungen und Übergänge, die fast wie von selbst entstehen. Genau das macht es so faszinierend: extrem präzise Details, butterweiche Farbverläufe und ein Look, den du mit kaum einer anderen Technik hinbekommst. Ob Kunst, Modellbau oder Custom-Design – Airbrush fühlt sich an wie Malen auf einem ganz neuen Level.

Airbrush – Eine Erfindung der Neuzeit? Weit gefehlt! Ob du es glaubst oder nicht: Die Höhlenmalereien aus der Steinzeit vor etwa 30.000 (!) Jahren sollen teilweise schon mit einer Technik hergestellt worden sein, die dem Prinzip der heutigen Airbrush-Pistole entspricht.

Es sind dort unter anderem Hände zu sehen, die selbst ohne Farbe und nur von einem Farbnebel umgeben sind. Man geht davon aus, dass unter Verwendung von Schilfröhrchen oder hohlen Knochen die Farbe an die Wände geblasen wurde. Die eigenen Hände oder auch Blätter dienten dabei als Schablone.

Unglaublich, oder? Denn die heute verwendete Technik der Spritzpistole wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt. Wobei sich die Gelehrten nicht so richtig einig sind, wer da die Initialzündung gegeben hat.

War es die Patentanmeldung eines „Zerstäubers“ von Francis Edgar Stanley im September 1876? War es 1890 die Erfindung des amerikanischen Arztes Allen De Vilbiss: Einer Munddusche zum Zerstäuben von flüssigen Medikamenten im Rachenraum? Oder war es das Patent des Deutschen Albert Krautzberger im Jahr 1902 für ein „durch Druckluft betriebenes Malgerät“?

Airbrush – Wir sehen eine historische Airbrush-Pistole von der Maschinenfabrik Curt Hiekel Leipzig aus dem Zeitraum 1907 bis 1937. Es handelt sich um eine Pistole in Originalverpackung mit Zubehör.

Pistole von Curt Hiekel Leipzig (1907 bis 1937)

Nudosi, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Egal. Es dauerte jedenfalls bis weit in die 1960er Jahre, bis sich die Technik, so wie wir sie heute kennen, durchsetzte. Mit zunehmendem Interesse entwickelten sich dann aber aus einer Nische heraus ein riesiger Markt und ganze Industriezweige nur für diese Produkte wie Pistolen, Kompressoren und Farben.

Airbrush heute

Was kannst du denn nun alles mit Airbrush machen? Die bekannteste Anwendung ist wohl das Custom-Painting bei Autos und Motorrädern. Aber auch Helme oder Gitarren werden damit zu echten Unikaten. Logos, Flammen, dezente Farbverläufe oder fotorealistische Motive entstehen direkt auf den Objekten.

Im Modellbau können ganze Modelle mit dieser Technik gestaltet werden. Flugzeuge, Autos oder Figuren bekommen damit realistische Lackierungen, Alterungsspuren und Schattierungen. Für viele Bastler ist das der Moment, in dem ein Modell richtig lebendig wird.

Airbrush – Mithilfe von Airbrush wird hier ein Modellflugzeug grün lackiert.

Lackierung eines Modellflugzeugs

Foto: Pixabay

Sogar Textilien, Stoffe, Leder und vieles mehr eignet sich zum Airbrushen. Bei Möbeln kann es beispielsweise eingesetzt werden, um ihnen diesen Shabby Look zu verpassen. Und Gemälde der besonderen Art können ebenfalls mit dem Luftpinsel kreiert werden.

Sehr bekannt ist auch das Bemalen von menschlichen Körpern, das Bodypainting. Auf den ersten Blick scheinen die Personen nicht nackt zu sein, ganz im Gegenteil ist die optische Täuschung oft perfekt. Auch ein Make-Up kann man so auftragen. Oder Fingernägel lackieren. Und es gibt sogar spezielle Airbrush-Pistolen und Lebensmittelfarben, um Torten künstlerisch zu gestalten.

Was benötigst du dafür?

Für Airbrush brauchst du gar nicht so viel, wie viele denken. Herzstück ist die Airbrush-Pistole. Sie sprüht Farbe fein dosiert auf dein Objekt. Dazu kommt ein Kompressor, der gleichmäßig Luft liefert. Farbe, Reiniger und ein paar Übungsflächen gehören natürlich auch dazu. Dann kann’s losgehen.

Preislich ist der Einstieg ziemlich entspannt. Eine brauchbare Einsteiger-Pistole bekommst du ab etwa 20 bis 40 €. Ein leiser Kompressor liegt meist zwischen 30 und 80 €. Farben und Zubehör schlagen am Anfang mit rund 30 bis 50 € zu Buche. Insgesamt landest du also realistisch zwischen 80 und 170 €.

Es geht sogar noch günstiger! Basis-Sets für Einsteiger beginnen bei etwa 80 €. Dort sind alle Teile inklusive Kompressor enthalten, oft sind sogar noch Farben und Zubehör dabei.

Nach oben ist wie immer alles offen. Profi-Pistolen, bessere Kompressoren und Spezialfarben treiben den Preis locker weiter hoch. Für den Start reicht aber einfache, solide Technik völlig aus. Wichtig ist hier viel Übung, nicht Luxus.

Airbrush – Ein Trafohäuschen ist nicht wiederzuerkennen. Im ersten Moment denkt man, es ist ein Pferdestall.

Trafohäuschen als Pferdestall lackiert

Foto: Pixabay

Wo und wie lernst du es am besten?

Am einfachsten startest du zu Hause mit ein paar YouTube-Videos wie beispielsweise Tabletop Basement TV, Panzerschmied oder Sturmkind. Sie zeigen Schritt für Schritt, was du brauchst und wie du Grundtechniken wie weiche Übergänge, Spritzer und Schattierungen hinkriegst. Das macht Spaß und du kannst in deinem Tempo üben.

Workshops sind super, wenn du lieber jemanden live dabei hast, der dir die Kniffe zeigt. Viele Kunst- und Modellbauvereine oder Airbrush-Shops, aber auch Volkshochschulen bieten solche Kurse an. Da kriegst du direkt Feedback, und das bringt dich schnell weiter.

Als unabhängiger Zusammenschluss von Künstlern, Schulungseinrichtungen, Herstellern, Groß- und Einzelhändlern und Verlagen bietet der Airbrush-Fachverband e.V. neutrale Beratung und umfassende Informationen. Dort findest du unter anderem eine Liste von Seminaranbietern.

Europas größter Versandhandel für Künstlerbedarf ist Gerstaecker, der natürlich auch einen Ratgeber rund um Airbrush veröffentlicht hat. Auch bei Profi-AirBrush gibt es einen ähnlichen Ratgeber für Einsteiger. Solche Tutorials findest du beispielsweise ebenso auf Stardust Colors und ColorAir-Art.

Hilfe der besonderen Art bekommst du im Airbrush Forum. Nach eigener Aussage ist es die beste Plattform, um Airbrush-Kunst von Profis zu lernen. Es werden Kurse angeboten und ein Blog mit verschiedenen Themen geführt.

Und ganz wichtig: Üben, üben, üben. Hol dir günstige Übungsplatten oder Papier und probier verschiedene Techniken aus. Je mehr du sprühst, desto sicherer wirst du. Irgendwann macht es Klick, und die Ergebnisse werden richtig cool.

Ist Airbrush was für dich?

Airbrush passt gut zu dir, wenn du gern kreativ bist und Geduld mitbringst. Schnelle Ergebnisse gibt’s am Anfang selten. Dafür wächst der Spaß mit jeder Übung. Wenn dich feine Details, saubere Übergänge und Technik reizen, liegst du hier richtig.

Du solltest Platz haben, wo Farbe kein Drama ist. Keller, Garage oder ein gut gelüfteter Raum reichen meist. Lärm vom Kompressor ist überschaubar, aber ganz leise ist es nicht. Ein bisschen Ordnung hilft auch, sonst klebt alles irgendwann bunt.

Und nicht zuletzt: Neugier. Wenn du gern Neues ausprobierst, Techniken testest und dich von Ergebnissen überraschen lässt, wirst du Airbrush lieben. Warnung: Kann süchtig machen!

Und zum Schluss

Das Netz ist voll von Informationen zum Thema Airbrush. Es ist eine faszinierende und vielseitige Technik, die nicht viel mehr braucht als Kreativität und sehr viel Übung. Viel Spaß dabei!

PS: Interessieren dich doch eher andere Maltechniken? Vielleicht ist Aquarell malen oder Seidenmalerei etwas für dich.

 

image_pdfHobby-Steckbrief Download

Deine Meinung zum Hobby

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Ältester
Neuster
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
0
Bin gespannt auf deine Gedanken, bitte kommentiere!x