Die Temperamalerei besticht durch ihre leuchtenden, deckenden Farben und die einzigartige Textur, die durch die Verbindung von Pigmenten mit Bindemitteln entsteht. Als Hobby bietet sie die Möglichkeit, präzise Details und lebendige Farbverläufe zu gestalten, während die schnelle Trocknungszeit spontanes Arbeiten ermöglicht. Ideal für alle, die traditionelle Technik mit kreativer Freiheit verbinden möchten.
Die Temperamalerei entstand bereits in der Antike, wo sie in Ägypten, Griechenland und Rom für Wandmalereien und Porträts genutzt wurde. Besonders bekannt sind die Fayum-Porträts (Porträts von Mumien) aus dem römischen Ägypten (1.–3. Jahrhundert n. Chr.), die mit Tempera auf Holz gemalt wurden und durch ihre lebendigen Farben und feinen Details bestachen.
Im Mittelalter erlebte die Technik ihre Blütezeit in Europa, vor allem in der Buchmalerei und bei Altarbildern. Künstler wie Giotto di Bondone nutzten Tempera, um leuchtende, lichtdurchflutete Bilder zu schaffen. Die Technik war besonders beliebt, weil sie präzise Linien und deckende Farben ermöglichte.
Viele berühmte Meister der frühen Renaissance wie Sandro Botticelli (Die Geburt der Venus, 1485/86) malten bevorzugt mit Tempera, da diese Farben auch nach Jahrhunderten ihre Brillanz bewahren. Mit der Erfindung der Ölmalerei im 15. Jahrhundert verlor die Temperamalerei jedoch an Bedeutung, da Ölfarben flexibler und langlebiger schienen.

Sandro Botticelli: Geburt der Venus
Bild: Sandro Botticelli, Public domain, via Wikimedia Commons
Doch im 19. und 20. Jahrhundert erlebte sie ein Comeback, als Künstler wie die Präraffaeliten oder moderne Ikonenmaler die traditionelle Technik wiederentdeckten. Heute wird Tempera vor allem in der Restaurierung, Ikonenmalerei und als Hobby geschätzt – sowohl für klassische als auch für experimentelle Stile.
Wie funktioniert Tempera?
Temperamalerei nutzt Pigmente, die mit einem wasserlöslichen Bindemittel vermischt werden. Im Gegensatz zu Aquarell, das transparent und fließend ist, ergibt Tempera deckende, matte Farben, die präzise aufgetragen werden können. Anders als bei Ölmalerei trocknet Tempera schnell und erfordert kein Lösungsmittel, was sie umweltfreundlicher macht.
Der größte Vorteil der Temperamalerei liegt in ihrer Langlebigkeit und Lichtbeständigkeit, denn richtig aufgetragen, verblassen die Farben kaum. Die schnelle Trocknung ermöglicht schichtweises Arbeiten ohne lange Wartezeiten. Zudem eignet sie sich ideal für feine Details und klare Konturen, was sie besonders für Buchmalerei, Ikonen und realistische Darstellungen beliebt macht.
Nachteile sind die geringere Flexibilität im Vergleich zu Ölfarben: Tempera ist weniger geeignet für dicke Farbaufträge oder pastöse Effekte. Zudem muss man schnell arbeiten, da die Farbe nach dem Trocknen nicht mehr korrigierbar ist. Auch die Vorbereitung der Untergründe, z. B. mit Gesso (kreidehaltige, weiße Grundierung) ist aufwendiger als bei Acryl oder Öl.

Endre Vadász: Badehäuser, Tempera auf Holz
Bild: Endre Vadász, Public domain, via Wikimedia Commons
Und was brauchst du dafür?
Für den Einstieg in die Temperamalerei brauchst du entweder fertige Temperafarben oder Pigmente in Pulverform plus Bindemittel (meist Eigelb oder spezieller Temperabinder) sowie destilliertes Wasser, Pinsel (am besten aus Naturhaar wie Marder oder Schweineborste) und einen geeigneten Malgrund wie Holztafeln mit Gesso-Grundierung oder spezielles Temperapapier.
Die Kosten hängen von der Qualität ab: Fertige Temperafarben kosten pro Tube etwa 5 bis 15 €, während reine Pigmente zwischen 10 und 50 € pro 25 g liegen. Ein Set mit Grundfarben gibt es schon für 30 bis 50 €. Für Bindemittel und Pinsel reichen 10 bis 20 €, und eine mit Gesso vorbereitete Holztafel kostet etwa 15 bis 40 €.
Günstiger wird es, wenn du Eigelb selbst als Bindemittel verwendest und auf preiswerte Pigmente oder Studentenqualität setzt. Für den Anfang reichen somit 50 bis 100 €, um alles Nötige zu haben. Hochwertige Materialien für professionelle Ergebnisse können aber auch mehrere hundert Euro kosten.
Ist Tempera etwas für dich?
Temperamalerei ist ideal für dich, wenn du präzise, detailreiche Bilder mit leuchtenden, deckenden Farben schaffen möchtest und Geduld für das schichtweise Arbeiten mitbringst. Sie passt gut, wenn du traditionelle Techniken schätzt und Wert auf Langlebigkeit legst. Auch wenn du schnelle Trocknungszeiten bevorzugst und ohne Lösungsmittel arbeiten willst, ist Tempera eine gute Wahl.

Damodar Lal Gurjar: Two Apples, Tempera auf Karton
Bild: Damodar lal gurjar, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Weitere Info’s
In Büchern findest du vertiefende Anleitungen und historische Hintergründe. Klassiker wie „Die Technik der Temperamalerei“ von Daniel V. Thompson oder „Tempera Painting“ von M. G. Salvi bieten praktische Tipps und Inspiration. Auch moderne Ratgeber erklären Materialien und Techniken ausführlich.
Online gibt es zahlreiche Tutorials und Communitys. Auf YouTube zeigen Künstler Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Plattformen wie Pinterest oder Instagram (Hashtags wie #TemperaPainting oder #EggTempera) bieten visuelle Anregungen. Foren wie WetCanvas oder Kunstnet sind gut für den Austausch mit anderen Tempera-Enthusiasten.
Workshops und Kurse werden oft von Kunstschulen, Volkshochschulen oder Ateliers angeboten. Einige Museen wie beispielsweise die Alte Pinakothek in München veranstalten auch spezielle Kurse zur historischen Maltechnik. Lokale Künstler oder Kunstvereine können ebenfalls weiterhelfen.


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