Kleintierzucht

Bei dir piept's wohl!
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Kleintierzucht

Bei dir piept's wohl!

Kleintierzucht – Da geht’s um die Haltung von Enten, Gänsen, Hühnern, Kaninchen, Tauben, Sittichen und vielen anderen kleinen Tieren. Faszinierend ist die Mischung aus Ruhe, Verantwortung und Nähe zur Natur. Du erlebst, wie Tiere wachsen, sich entwickeln, Vertrauen fassen, und lernst viel über Verhalten, Gesundheit und Genetik. Für viele ist es ein Ausgleich zum Alltag und ein Hobby mit Sinn.

Die Kleintierzucht hat sich aus der reinen Nutztierhaltung für die Selbstversorgung entwickelt. Damals hielten die Menschen Tiere vor allem, um zu überleben. Kaninchen, Hühner oder Gänse lieferten Fleisch, Eier, Federn oder Dünger. Auf dem Land gehörte das ganz normal zum Alltag.

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert änderte sich das langsam. Städte wuchsen, Arbeit verlagerte sich in Fabriken. Lebensmittel wurden leichter beschaffbar und viele Menschen mussten oder konnten keine Tiere mehr zur Selbstversorgung halten.

Aber zur gleichen Zeit entwickelte sich die Kleintierzucht auch zum Hobby. Es ging um gezielte Zucht, um Rassen, um Austausch und um Freude an den Tieren. Und es entstanden die ersten Zuchtvereine. Die Gründung des Geflügelvereins in Biberach fand am 30. November 1887 statt und gilt als einer der ältesten dokumentierten Kleintierzuchtvereine Deutschlands. Der Verein existiert sogar heute noch als Kleintierzuchtverein Biberach.

Daraus entwickelte sich eine große Vereinsstruktur, zum Beispiel organisiert im Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter e.V. (ZDRK) oder beim Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter e.V. (BDRG) als Dachverbände. Viele Züchter sind heute Mitglied in lokalen Vereinen und treffen sich regelmäßig auf regionalen Schauen oder großen Bundesschauen.

Für die Halter von Vögeln sind die Dachverbände Deutscher Kanarien‑ und Vogelzüchter‑Bund e. V. (DKB) und die Vereinigung für Artenschutz, Vogelhaltung und Vogelzucht e.V. (AZ) zuständig. In allen Dachverbänden gibt es in der Regel auch Listen der Mitgliedsvereine.

Kleintierzucht – Ein braunes und ein weißes Kaninchen beschnuppern sich.

Kaninchen sind gesellige Tiere

Foto von Rah Sof auf Unsplash

Wie kannst du beginnen?

Überleg dir ehrlich, wie viel Zeit du hast. Tiere brauchen tägliche Pflege, auch bei schlechtem Wetter oder im Urlaub. Natürlich zählen auch Platz und Geld. Und schau dir verschiedene Tiere in Ruhe an. Besuche einen Züchter, einen Verein oder eine Ausstellung. Dort siehst du, wie die Tiere ticken. Du merkst schnell, was dich anspricht und was eher nicht.

Wenn ein Tier dich anspricht, informier dich gezielt zu Haltung und Bedürfnissen. Achte auf Platzbedarf, Lautstärke, Geruch und Kosten. Frag andere Halter direkt. Die sagen dir meist klar, was gut läuft und was problematisch ist.

Und was kostet Kleintierzucht?

Für drei Kaninchen beispielsweise brauchst du einen gut geschützten Stall mit Außengehege, täglich frisches Heu, Wasser, Frischfutter und ausreichend Einstreu. Der Platzbedarf liegt bei mindestens 7 m², sinnvoll sind jedoch 9–12 m². Die Startkosten liegen je nach Ausstattung bei etwa 400–800 €, monatlich solltest du 40–70 € für Futter, Einstreu und Tierarzt einplanen. Wichtig sind außerdem sichere Umzäunung, Rückzugsorte, erhöhte Ebenen und regelmäßige Pflege.

Für fünf Hühner solltest du einen sicheren Stall mit Sitzstangen, Legenestern und ein gut geschütztes Außengehege haben. Der Platzbedarf liegt bei mindestens 20–25 m² Auslauf plus 2–3 m² Stallfläche. Die Startkosten für Stall, Zaun und Grundausstattung liegen zwischen 400 und 1.000 €, monatlich fallen für Futter, Einstreu und Pflege etwa 50–100 € an. Wichtig sind auch Schutz vor Füchsen und Mardern, tägliche Kontrolle, frisches Wasser und eine abwechslungsreiche Fütterung.

Kleintierzucht – Ein stolzer Hahn der Rasse New Hampshire wacht aufmerksam über seine Hühner. Sie nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch bei Hobby-Hühnerhaltern sehr beliebt.

New Hampshires sind sanftmütig und rasch zahm

Foto: Pixabay

Für sechs Sittiche ist eine geräumige, gut belüftete Voliere mit mindestens 5 m² Grundfläche und mindestens 2 m Höhe sinnvoll, abhängig von der Vogelart. Dazu kommen regelmäßig frisches Futter, Wasser, Naturäste und Spielzeug. Die Startkosten für Voliere, Ausstattung und Tiere liegen zwischen 300 und 700 €, monatlich solltest du für Futter, Einstreu und Zubehör etwa 30–50 € einplanen. Wichtig sind außerdem regelmäßige Reinigung und Schutz vor Zugluft.

Musst du Mitglied im Verein sein?

Für reine Hobbytierhaltung ohne Zucht ist eine Mitgliedschaft in einem Verein nicht notwendig. Wenn du jedoch züchten, ausstellen oder Rasse-Erhaltung betreiben willst, fachliche Unterstützung brauchst und Teil einer Gemeinschaft sein möchtest, dann ist eine Mitgliedschaft sehr sinnvoll.

Gibt es Rechtliches zu beachten?

Ja – du musst hier immer bestimmte Gesetze beachten, denn es geht um die Haltung von Tieren. Am wichtigsten sind das Tierschutzgesetz, die BMEL‑Leitlinien, die TVT‑Merkblätter sowie Melde‑ und Bauvorschriften deiner Gemeinde.

Ist Kleintierzucht etwas für dich?

Kleintierzucht ist ein geeignetes Hobby für dich, wenn du Freude an Tieren, Zeit für tägliche Pflege und ausreichend Platz für eine artgerechte Haltung hast. Du solltest bereit sein, dich mit Tierschutzvorgaben, Fütterung, Gesundheitsvorsorge und sauberer Unterbringung auseinanderzusetzen. Wichtig ist auch eine gewisse Verlässlichkeit – Tiere brauchen dich jeden Tag, bei jedem Wetter. Wenn du zudem Spaß daran hast, Verhalten zu beobachten, Rassen kennenzulernen und vielleicht sogar Nachwuchs aufzuziehen, dann passt Kleintierzucht hervorragend zu dir.

Mein Fazit

So vielfältig wie die Möglichkeiten einer Kleintierzucht sind, so umfangreich ist auch das dafür benötigte Wissen. Aber du kannst dir dabei der Unterstützung durch andere Züchter sicher sein. Vielleicht kennst du ja sogar einige in deiner Nähe.

Und viele Züchter wie beispielsweise Rainer Schneider auf seiner Website Kleinsittiche berichten über ihre Erfahrungen mit den Tieren, wie sich ihr Hobby entwickelt hat und was bei Anschaffung, Haltung und Ernährung alles zu beachten ist.

Falls du allerdings feststellst, dass die Haltung von Kleintieren nicht zu dir passt, dann ist vielleicht Imkern etwas für dich oder alternativ die Anschaffung eines Aquariums.

 

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